Anwendungen von Exponentialfunktionen
Bakterien, Zinsen, radioaktiver Zerfall: Ändert sich ein Bestand pro Zeitschritt immer um denselben Faktor, wächst er exponentiell. Dann dauert jede Verdopplung gleich lang — egal, wo man anfängt zu messen.
Die orangen Balken zeigen, wie lange eine Verdopplung bzw. eine Halbierung dauert. Schieb den Faktor \(a\) und achte darauf: Alle Balken bleiben gleich lang.
Ändert sich ein Bestand pro Zeiteinheit um denselben Faktor \(a\), so gilt \(f(t)=f(0)\cdot a^{t}\). Mit \(a=e^{k}\), also \(k=\ln(a)\), schreibt man denselben Bestand zur Basis \(e\) — erst dann lässt er sich ableiten:
$$f(t)=f(0)\cdot e^{k\,t} \qquad\text{mit}\qquad k=\ln(a)$$
- \(a \gt 1\), also \(k \gt 0\)Zunahme. Die Verdopplungszeit ist \(T_V=\dfrac{\ln(2)}{k}\).
- \(a \lt 1\), also \(k \lt 0\)Abnahme. Die Halbwertszeit ist \(T_H=-\dfrac{\ln(2)}{k}\).
- Aus zwei MesswertenAus \(f(0)\) und \(f(t_1)\) folgt \(k=\dfrac{1}{t_1}\cdot\ln\!\left(\dfrac{f(t_1)}{f(0)}\right)\).
Ein Medikament wird im Körper exponentiell abgebaut. Zu Beginn sind \(200\,\text{mg}\) im Blut, nach \(6\) Stunden noch \(150\,\text{mg}\).
1. Wachstumsfunktion: Ansatz \(f(t)=200\cdot e^{kt}\) mit \(f(6)=150\):
$$\begin{aligned} 200\cdot e^{6k} &= 150 \\ e^{6k} &= 0{,}75 \\ k &= \tfrac16\ln(0{,}75)\approx -0{,}0479 \end{aligned}$$
2. Halbwertszeit:
$$T_H=-\frac{\ln(2)}{k}\approx\frac{0{,}693}{0{,}0479}\approx 14{,}5$$
Etwa alle \(14{,}5\) Stunden halbiert sich die Menge.
3. Wann sind noch \(50\,\text{mg}\) übrig?
$$\begin{aligned} 200\cdot e^{-0{,}0479\,t} &= 50 \\ e^{-0{,}0479\,t} &= 0{,}25 \\ t &= \frac{\ln(0{,}25)}{-0{,}0479}\approx 28{,}9 \end{aligned}$$
Nach knapp \(29\) Stunden — genau zwei Halbwertszeiten.
Teste dich
Ein Bestand wächst pro Tag um \(8\,\%\). Wie lautet \(k\)?
Pro Tag wird mit \(a=1{,}08\) multipliziert, also
$$k=\ln(1{,}08)\approx 0{,}0770 \qquad f(t)=f(0)\cdot e^{0{,}077\,t}$$
Wie groß ist die Verdopplungszeit bei \(f(t)=5\cdot e^{0{,}25\,t}\)?
$$T_V=\frac{\ln(2)}{0{,}25}\approx 2{,}77$$
Der Anfangsbestand \(5\) spielt dabei keine Rolle.
Warum hängt die Verdopplungszeit nicht vom Startwert ab?
Vergleicht man zwei Zeitpunkte, kürzt sich der Anfangsbestand heraus:
$$\frac{f(t+T)}{f(t)}=\frac{f(0)\,e^{k(t+T)}}{f(0)\,e^{kt}}=e^{kT}$$
Das Verhältnis hängt nur von \(k\) und \(T\) ab — deshalb sind im Schaubild alle orangen Balken gleich lang.