Strecken, Verschieben und Spiegeln von Graphen
Du musst nicht jede Kurve neu ausrechnen. Kennst du den Graphen von \(f\), bekommst du unendlich viele weitere geschenkt — durch Strecken, Verschieben und Spiegeln. Und alles, was dabei passiert, steht schon im Term.
Blass liegt der Graph von \(f\) im Bild, rot der von \(g\) mit \(g(x)=a\cdot f\big(b(x-c)\big)+d\). Verstell einen Regler und schau, was er allein bewirkt. Der Punkt zeigt, wohin die Stelle \(x=0\) wandert.
Der Graph von \(g\) entsteht aus dem Graphen von \(f\) durch
$$g(x) = a\cdot f\big(b(x-c)\big) + d \qquad (b \gt 0)$$
- \(a\) — Streckung in \(y\)-Richtungmit dem Faktor \(|a|\). Ist \(a \lt 0\), wird der Graph zusätzlich an der \(x\)-Achse gespiegelt.
- \(b\) — Streckung in \(x\)-Richtungmit dem Faktor \(\tfrac{1}{b}\). Für \(b \gt 1\) wird der Graph schmaler, für \(b \lt 1\) breiter.
- \(c\) — Verschiebung in \(x\)-Richtungum \(c\) nach rechts (für \(c \lt 0\) nach links).
- \(d\) — Verschiebung in \(y\)-Richtungum \(d\) nach oben (für \(d \lt 0\) nach unten).
Die drei Spiegelungen sind Sonderfälle davon:
| Term | So entsteht der Graph von \(g\) |
|---|---|
| \(g(x)=-f(x)\) | Spiegelung an der \(x\)-Achse |
| \(g(x)=f(-x)\) | Spiegelung an der \(y\)-Achse |
| \(g(x)=-f(-x)\) | Spiegelung am Ursprung \(O(0\,|\,0)\) |
Im Term steht \(x-c\), verschoben wird aber um \(+c\) nach rechts — das fühlt sich verkehrt an. Der Grund: \(g\) nimmt an der Stelle \(x\) genau den Wert an, den \(f\) schon an der Stelle \(x-c\) hatte. Jeder Punkt wandert also um \(c\) nach rechts.
Bei \(d\) fällt das nicht auf: \(+d\) hebt den Graphen nach oben, weil \(d\) direkt zum Funktionswert addiert wird.
Gegeben sind \(f\) mit \(f(x)=x^2\) und \(g\) mit \(g(x)=-2(x-3)^2+1\). Wie entsteht der Graph von \(g\)?
Der Vergleich mit \(a\cdot f\big(b(x-c)\big)+d\) liefert \(a=-2\), \(b=1\), \(c=3\) und \(d=1\):
- \(a=-2\)Spiegelung an der \(x\)-Achse und Streckung in \(y\)-Richtung mit dem Faktor \(2\) — die Parabel ist nach unten geöffnet und schmaler.
- \(c=3\) und \(d=1\)Verschiebung um \(3\) nach rechts und um \(1\) nach oben.
Der Scheitelpunkt \(S(0\,|\,0)\) von \(f\) landet damit bei \(S'(3\,|\,1)\).
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Der Graph von \(f\) mit \(f(x)=x^3\) wird um \(2\) nach links und um \(1\) nach unten verschoben. Wie lautet der Term von \(g\)?
Nach links heißt \(c=-2\), nach unten heißt \(d=-1\). Eingesetzt in \(f(x-c)+d\):
$$g(x) = \big(x-(-2)\big)^3 - 1 = (x+2)^3 - 1$$
Probe: Der Wendepunkt \(W(0\,|\,0)\) von \(f\) liegt bei \(g\) nun bei \(W'(-2\,|\,-1)\).
Wie entsteht der Graph von \(g\) mit \(g(x)=\tfrac12 e^{x}-3\) aus dem Graphen von \(f\) mit \(f(x)=e^x\)? Wo liegt die Asymptote?
Hier ist \(a=\tfrac12\) und \(d=-3\): Streckung in \(y\)-Richtung mit dem Faktor \(\tfrac12\), danach Verschiebung um \(3\) nach unten.
Die waagerechte Asymptote \(y=0\) von \(f\) wird mitverschoben. Sie liegt bei \(g\) also bei \(y=-3\).
Wird der Graph von \(g\) mit \(g(x)=f(2x)\) breiter oder schmaler als der von \(f\)?
Es ist \(b=2\), also Streckung in \(x\)-Richtung mit dem Faktor \(\tfrac{1}{b}=\tfrac12\): der Graph wird auf die halbe Breite zusammengedrückt.
Zum Nachdenken: \(g\) erreicht schon bei \(x=1\) den Wert, den \(f\) erst bei \(x=2\) hat. Alles passiert doppelt so früh — deshalb schmaler.