Vom Funktionsterm zum Graphen

Jetzt der umgekehrte Weg: Du siehst nur den Term. Erstaunlich viel lässt sich daraus ohne jede Rechnung ablesen — vor allem, wie der Graph die \(x\)-Achse trifft.

Ausprobieren

Der Term ist \(f(x)=a\cdot(x+2)^{n}(x-1)^{m}\). Stell die beiden Hochzahlen ein und schau dir an, was an den Nullstellen \(-2\) und \(1\) passiert: durchschneiden, nur berühren oder kurz waagerecht hindurch?

Graph von \(f\) die Nullstellen \(-2\) und \(1\)
\(n\) bei \(-2\) 1
\(m\) bei \(1\) 1
Zur Grafik

Der Streckfaktor \(a\) ist dort jedes Mal so gewählt, dass der Graph gut ins Bild passt. Auf die Form an den Nullstellen hat er keinen Einfluss — nur sein Vorzeichen zählt, und das dreht den ganzen Graphen um.

Merke · Vielfachheit einer Nullstelle

Kommt der Linearfaktor \((x-x_0)\) im Term genau \(k\)-mal vor, so heißt \(x_0\) eine \(k\)-fache Nullstelle. Daran hängt, wie der Graph die Achse trifft:

Vielfachheit \(k\)Der Graph …Vorzeichenwechsel
\(1\) (einfach)schneidet die \(x\)-Achseja
\(2\) (gerade)berührt die Achse — dort liegt eine Extremstellenein
\(3\) (ungerade, \(\ge 3\))geht mit einem Sattelpunkt hindurchja

Kurz: gerade Vielfachheit heißt berühren, ungerade heißt hindurchgehen — und ab \(k \ge 2\) ist die Tangente dort waagerecht.

Merke · Was der Term sonst noch verrät

So skizzierst du einen Graphen: 1. Nullstellen mit ihrer Vielfachheit bestimmen. 2. Verhalten für \(x\to\pm\infty\) untersuchen. 3. Auf Symmetrie prüfen. 4. Falls nötig, Extrem- und Wendepunkte berechnen.

Beispiel

a) \(f(x)=(x+1)^2(x-2)\)

b) \(g(x)=x^2\cdot e^{-x}\): Wegen \(e^{-x} \gt 0\) liegt die einzige Nullstelle bei \(x=0\), und sie ist doppelt — der Graph berührt dort die Achse. Für \(x\to+\infty\) gilt \(g(x)\to 0\), der Graph nähert sich der \(x\)-Achse von oben. Für \(x\to-\infty\) gilt \(g(x)\to+\infty\).

Teste dich

Wie trifft der Graph von \(f\) mit \(f(x)=(x-3)^2(x+1)^3\) die \(x\)-Achse? Welchen Grad hat \(f\)?

Bei \(x=3\) ist die Nullstelle doppelt: der Graph berührt die Achse, dort liegt eine Extremstelle.

Bei \(x=-1\) ist sie dreifach: der Graph geht mit einem Sattelpunkt hindurch.

Der Grad ist \(2+3=5\), also ungerade. Wegen des positiven Leitkoeffizienten läuft der Graph von \(-\infty\) nach \(+\infty\).

Warum ist der Graph von \(f\) mit \(f(x)=x^4-3x^2+1\) achsensymmetrisch zur \(y\)-Achse?

Im Term stehen nur gerade Hochzahlen (\(x^4\), \(x^2\) und die Konstante \(1=1\cdot x^0\)). Beim Einsetzen von \(-x\) heben sich alle Minuszeichen weg:

$$f(-x)=(-x)^4-3(-x)^2+1=x^4-3x^2+1=f(x)$$

Genau das ist die Bedingung für Achsensymmetrie zur \(y\)-Achse.

Der Graph einer Funktion berührt bei \(x=2\) die \(x\)-Achse und schneidet sie bei \(x=-1\). Gib einen möglichen Term dritten Grades an.

Berühren heißt Vielfachheit \(2\), schneiden heißt Vielfachheit \(1\). Zusammen ergibt das genau den Grad \(3\):

$$f(x)=a\cdot(x-2)^2(x+1) \qquad a\neq 0$$

Jedes \(a\neq 0\) passt — es streckt den Graphen nur in \(y\)-Richtung (und spiegelt ihn für \(a \lt 0\)).