Erwartungswert und Histogramm

Aus \(n\) und \(p\) allein lassen sich zwei Zahlen ablesen, die das ganze Histogramm beschreiben: wo es steht und wie breit es ist. Beide muss man nicht ausrechnen — man sieht sie.

Ausprobieren

Die rote Linie sitzt beim Erwartungswert \(\mu = n\cdot p\) und wandert mit. Orange sind die Säulen im Bereich \(\mu-\sigma\) bis \(\mu+\sigma\) — der Streubereich einer Standardabweichung.

Erwartungswert \(\mu = n\cdot p\) Säulen zwischen \(\mu-\sigma\) und \(\mu+\sigma\)
\(n\) 20
\(p\) 0,30
Satz · \(\mu\) und \(\sigma\) der Binomialverteilung

Ist \(X\) binomialverteilt mit den Parametern \(n\) und \(p\), so gilt

$$\mu = E(X) = n\cdot p \qquad\text{und}\qquad \sigma = \sqrt{n\cdot p\cdot(1-p)}$$

Der Erwartungswert ist plausibel: Bei \(n\) Versuchen mit Trefferquote \(p\) erwartet man auf lange Sicht \(n\cdot p\) Treffer. Die Formel für \(\sigma\) spart die lange Rechnung über alle \(n+1\) Summanden.

Die Standardabweichung \(\sigma\) misst, wie weit die Werte um \(\mu\) streuen: Je größer \(\sigma\), desto breiter das Histogramm.

Merke · Das Histogramm lesen
Beispiel · Vier Würfel

Vier Würfel werden geworfen, \(X\) zählt die Sechsen. Also \(n=4\) und \(p=\tfrac16\).

\(x_i\)\(0\)\(1\)\(2\)\(3\)\(4\)
\(P(X=x_i)\)\(0{,}482\)\(0{,}386\)\(0{,}116\) \(0{,}015\)\(0{,}001\)

Über die Definition des Erwartungswerts:

$$E(X) = 0\cdot 0{,}482 + 1\cdot 0{,}386 + 2\cdot 0{,}116 + 3\cdot 0{,}015 + 4\cdot 0{,}001 \approx 0{,}667$$

Mit der Formel geht es in einem Schritt — und liefert dasselbe:

$$\mu = n\cdot p = 4\cdot\tfrac16 = \tfrac23 = 0{,}\overline{6}$$

$$\sigma = \sqrt{4\cdot\tfrac16\cdot\tfrac56} = \sqrt{\tfrac59} \approx 0{,}745$$

Hier ist \(\mu\) nicht ganzzahlig, und die höchste Säule steht bei \(k=0\) — nicht bei \(k=1\), obwohl \(1\) näher an \(0{,}667\) liegt.

Teste dich

Eine Münze wird \(100\)-mal geworfen. Bestimme \(\mu\) und \(\sigma\).

\(n=100\), \(p=0{,}5\):

$$\mu = 100\cdot 0{,}5 = 50, \qquad \sigma = \sqrt{100\cdot 0{,}5\cdot 0{,}5} = \sqrt{25} = 5$$

Wegen \(\sigma \gt 3\) liegen rund \(68\,\%\) der Ergebnisse zwischen \(45\) und \(55\) Wappen — die Antwort auf die Frage vom Kapitelanfang.

Bei welchem \(p\) streut eine Bernoulli-Kette der Länge \(n\) am stärksten?

Zu maximieren ist \(\sigma^2 = n\cdot p\cdot(1-p)\). Der Term \(p(1-p)\) ist eine nach unten geöffnete Parabel mit Nullstellen bei \(0\) und \(1\), ihr Hochpunkt liegt in der Mitte:

$$p = 0{,}5 \quad\Rightarrow\quad \sigma = \sqrt{n\cdot 0{,}25} = \tfrac12\sqrt{n}$$

Anschaulich: Bei \(p\) nahe \(0\) oder \(1\) ist der Ausgang fast sicher, da streut wenig.

Ein Werk produziert mit \(2\,\%\) Ausschuss. In einer Lieferung von \(500\) Stück — wie viele defekte Teile sind zu erwarten, und wie stark schwankt das?

$$\mu = 500\cdot 0{,}02 = 10$$

$$\sigma = \sqrt{500\cdot 0{,}02\cdot 0{,}98} = \sqrt{9{,}8} \approx 3{,}13$$

Erwartet werden \(10\) defekte Teile; wegen \(\sigma \gt 3\) liegen rund \(68\,\%\) der Lieferungen zwischen etwa \(7\) und \(13\) defekten Teilen.