Gegenseitige Lage von Ebenen und Geraden
Eine Gerade und eine Ebene können sich schneiden, aneinander vorbeilaufen oder ganz zusammenfallen. Welcher Fall vorliegt, entscheidet ein einziges Skalarprodukt.
Die Ebene \(E\) steht fest. Mit den ersten drei Reglern kippst du die Richtung \(\vec u\) der Geraden, mit \(k\) hebst du ihren Aufpunkt \(P\) an. Achte auf \(\vec u \cdot \vec n\): Wird es \(0\), hört die Gerade auf, die Ebene zu treffen.
Gegeben sind \(g:\ \vec x = \vec p + t\cdot\vec u\) und \(E:\ a x_1 + b x_2 + c x_3 = d\) mit \(\vec n = \begin{pmatrix}a\\b\\c\end{pmatrix}\). Berechne \(\vec u \cdot \vec n\):
- \(\vec u \cdot \vec n \neq 0\) → \(g\) schneidet \(E\)Die Koordinaten von \(g\) in die Ebenengleichung einsetzen und nach \(t\) auflösen. Dieses \(t\) in die Geradengleichung einsetzen gibt den Durchstoßpunkt.
- \(\vec u \cdot \vec n = 0\) → Punktprobe mit \(P\)Liegt \(P\) in \(E\), so liegt \(g\) ganz in \(E\); liegt \(P\) nicht in \(E\), sind \(g\) und \(E\) echt parallel.
Warum das funktioniert: \(\vec u \cdot \vec n = 0\) heißt, dass die Richtung der Geraden senkrecht zum Normalenvektor steht — also parallel zur Ebene verläuft. Dann kommt die Gerade der Ebene nie näher.
\(g:\ \vec x = \begin{pmatrix}3\\4\\7\end{pmatrix} + t\begin{pmatrix}2\\1\\-1\end{pmatrix}\) und \(E:\ 2x_1 + 5x_2 - x_3 = 49\).
1. Skalarprodukt: \(\vec u \cdot \vec n = 2\cdot 2 + 1\cdot 5 + (-1)\cdot(-1) = 10 \neq 0\) — es gibt also einen Schnittpunkt.
2. Einsetzen. Ein Punkt von \(g\) hat die Koordinaten \(x_1 = 3+2t\), \(x_2 = 4+t\), \(x_3 = 7-t\):
$$2(3+2t) + 5(4+t) - (7-t) = 49$$
$$6 + 4t + 20 + 5t - 7 + t = 19 + 10t = 49 \quad\Longrightarrow\quad t = 3$$
3. Zurück in \(g\): \(t = 3\) liefert den Durchstoßpunkt
$$D(3+6\,|\,4+3\,|\,7-3) = D(9|7|4)$$
Beim Fall \(\vec u \cdot \vec n = 0\) ist die Rechnung noch nicht zu Ende. Setzt man trotzdem ein, fällt \(t\) heraus und es bleibt eine Aussage ohne \(t\) stehen:
- Eine wahre Aussagewie \(4 = 4\) bedeutet: jedes \(t\) passt, die Gerade liegt in \(E\).
- Eine falsche Aussagewie \(7 = 4\) bedeutet: kein \(t\) passt, die Gerade ist echt parallel.
Das ist dieselbe Unterscheidung wie bei den Gleichungssystemen in Kapitel V.
Teste dich
Wie liegt \(g:\ \vec x = \begin{pmatrix}1\\0\\1\end{pmatrix} + t\begin{pmatrix}2\\-1\\0\end{pmatrix}\) zu \(E:\ x_1 + 2x_2 + 3x_3 = 4\)?
\(\vec u \cdot \vec n = 2\cdot 1 + (-1)\cdot 2 + 0\cdot 3 = 0\) — also parallel oder enthalten.
Punktprobe mit \(P(1|0|1)\): \(1 + 0 + 3 = 4\) ✓ — die Gleichung stimmt.
Die Gerade liegt in \(E\).
Dieselbe Gerade, aber mit Aufpunkt \(P(1|0|2)\). Was ändert sich?
Am Skalarprodukt nichts: Die Richtung ist dieselbe, also weiterhin \(\vec u \cdot \vec n = 0\).
Die Punktprobe scheitert aber: \(1 + 0 + 6 = 7 \neq 4\).
Jetzt ist \(g\) echt parallel zu \(E\) — sie ist um genau diesen Unterschied „danebengeschoben“.
Eine Gerade steht senkrecht auf \(E\). Was gilt dann für \(\vec u\) und \(\vec n\)?
Steht \(g\) senkrecht auf der Ebene, so zeigt \(\vec u\) in dieselbe Richtung wie der Normalenvektor: \(\vec u\) ist ein Vielfaches von \(\vec n\).
Dann ist \(\vec u \cdot \vec n = \lvert\vec n\rvert^2 \neq 0\) — es gibt also garantiert einen Durchstoßpunkt. Genau das braucht man später beim Abstand eines Punktes von einer Ebene.