Gegenseitige Lage von Ebenen
Zwei Ebenen können sich nicht in einem Punkt treffen. Entweder sie schneiden sich in einer ganzen Geraden, oder sie berühren sich überhaupt nicht — oder sie sind ein und dieselbe Ebene.
\(E_1\) steht fest. Stell \(E_2\) ein und finde alle drei Fälle. Der Schlüssel liegt bei den Normalenvektoren: Erst wenn \(\vec n_2\) ein Vielfaches von \(\vec n_1\) ist, wird es interessant.
Gegeben sind \(E_1: a_1x_1 + b_1x_2 + c_1x_3 = d_1\) und \(E_2: a_2x_1 + b_2x_2 + c_2x_3 = d_2\) mit den Normalenvektoren \(\vec n_1\) und \(\vec n_2\).
- \(\vec n_1\) und \(\vec n_2\) sind keine VielfachenDie Ebenen sind verschieden geneigt und schneiden sich in einer Geraden.
- Vielfache, ganze Gleichungen aber nichtEcht parallel — die Ebenen haben keinen gemeinsamen Punkt.
- Vielfache, ganze Gleichungen auchDie Ebenen sind identisch.
Die letzten beiden Fälle trennt also allein die rechte Seite: \(2x_1+x_2+2x_3=4\) und \(4x_1+2x_2+4x_3=8\) sind dieselbe Ebene, \(4x_1+2x_2+4x_3=9\) dagegen eine echt parallele.
Beide Gleichungen zusammen bilden ein lineares Gleichungssystem mit drei Variablen und nur zwei Zeilen — genau der Fall „unendlich viele Lösungen“ aus Kapitel V. Man setzt eine Variable als Parameter und löst nach den anderen auf; heraus kommt die Parametergleichung der Schnittgeraden.
Als Kontrolle taugt das Vektorprodukt: Die Schnittgerade liegt in beiden Ebenen, ihre Richtung steht also auf beiden Normalenvektoren senkrecht:
$$\vec u = \vec n_1 \times \vec n_2$$
\(E_1: 2x_1 + x_2 + 2x_3 = 4\) und \(E_2: x_1 - x_2 + x_3 = 2\).
\(\vec n_1 = \begin{pmatrix}2\\1\\2\end{pmatrix}\) ist kein Vielfaches von \(\vec n_2 = \begin{pmatrix}1\\-1\\1\end{pmatrix}\) — es gibt also eine Schnittgerade.
Addiert man beide Gleichungen, fällt \(x_2\) heraus:
$$3x_1 + 3x_3 = 6 \quad\Longrightarrow\quad x_1 = 2 - x_3$$
Setzt man \(x_3 = t\), so ist \(x_1 = 2 - t\). Die zweite Gleichung nach \(x_2\) aufgelöst ergibt \(x_2 = x_1 + x_3 - 2\), also
$$x_2 = (2-t) + t - 2 = 0$$
Die zweite Koordinate ist demnach immer \(0\):
$$s:\ \vec x = \begin{pmatrix}2\\0\\0\end{pmatrix} + t\cdot\begin{pmatrix}-1\\0\\1\end{pmatrix}$$
Probe mit dem Vektorprodukt: \(\vec n_1 \times \vec n_2 = \begin{pmatrix}1\cdot 1 - 2\cdot(-1)\\ 2\cdot 1 - 2\cdot 1\\ 2\cdot(-1) - 1\cdot 1\end{pmatrix} = \begin{pmatrix}3\\0\\-3\end{pmatrix}\) — das ist \(-3\)-mal der Richtungsvektor. ✓
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Wie liegen \(E: 3x_1 - 2x_2 + 4x_3 = 1\) und \(F: -6x_1 + 4x_2 - 8x_3 = -2\) zueinander?
\(\vec n_F = \begin{pmatrix}-6\\4\\-8\end{pmatrix} = -2\cdot\begin{pmatrix}3\\-2\\4\end{pmatrix} = -2\,\vec n_E\) — Vielfache.
Und die rechte Seite? \(-2 = -2\cdot 1\) ✓ — die ganze Gleichung von \(F\) ist das \((-2)\)-fache von \(E\).
Die beiden Ebenen sind identisch.
Warum können sich zwei Ebenen nicht in genau einem Punkt schneiden?
Angenommen, sie hätten den Punkt \(S\) gemeinsam. Ihre Normalenvektoren sind dann keine Vielfachen voneinander (sonst wären die Ebenen parallel oder gleich).
Der Vektor \(\vec n_1 \times \vec n_2\) ist nicht der Nullvektor und steht auf beiden Normalenvektoren senkrecht — er zeigt also in eine Richtung, die in beiden Ebenen liegt. Damit gehört die ganze Gerade durch \(S\) mit dieser Richtung zu beiden Ebenen.
Aus einem gemeinsamen Punkt wird so zwangsläufig eine ganze gemeinsame Gerade.
Bestimme die Schnittgerade von \(E: x_1 + x_2 = 3\) und \(F: x_3 = 1\).
\(\vec n_E = \begin{pmatrix}1\\1\\0\end{pmatrix}\) und \(\vec n_F = \begin{pmatrix}0\\0\\1\end{pmatrix}\) sind keine Vielfachen — es gibt eine Schnittgerade.
Aus \(F\) folgt sofort \(x_3 = 1\). Setzt man \(x_1 = t\), so ist \(x_2 = 3 - t\):
$$s:\ \vec x = \begin{pmatrix}0\\3\\1\end{pmatrix} + t\cdot\begin{pmatrix}1\\-1\\0\end{pmatrix}$$
Probe: \(\vec n_E \times \vec n_F = \begin{pmatrix}1\\-1\\0\end{pmatrix}\) ✓